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Aus den Anfängen des Nutzfahrzeugbaues

Mit einem Zehntonner von Büssing fing alles an

Ohne den Siegeszug des Lkw wäre die Erfolgsgeschichte der Nagel-Group nie geschrieben worden. Ein Rückblick auf die technische Entwicklung der „Kutsche ohne Deichsel“ – von ihrer Erfindung bis in die Gründerzeit unseres Unternehmens.

22. Mai 1935: Die Brüder Kurt und Rudolf Nagel fanden sich früh morgens beim Amtsgericht in Halle / Westfalen ein, um ihre gemeinsame Firma „ Gebrüder Nagel“ im Handelsregister eintragen zu lassen. Zwei Tage später meldeten sie ihr Fernverkehrsunternehmen auf dem Amtshaus im heimischen Versmold an. Und dann beschafften sie sich einen Zehntonner der Marke Büssing – das erste Fahrzeug der Unternehmensgeschichte – und los ging’s.

Zunächst fuhren Kurt und Rudolf Nagel das Fahrzeug gemeinsam; sie ersetzten es bald durch einen 18-Tonner der Firma Krupp, mit dem sie mehr Nutzlast fahren konnten. Und kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges erstanden „Gebrüder Nagel“ noch ein weiteres Fahrzeug, einen gebrauchten MAN mit 11-Tonnen-Anhänger, der von zwei neu eingestellten Fahrern gelenkt wurde.

Büssing, Krupp und MAN waren die ersten Fahrzeugmarken, auf denen der Erfolg der heutigen Nagel- Group gründet. Werfen wir einmal einen Blick auf die Geschichte jener frühen Lastkraftwagen, mit deren Hilfe das Transportwesen grundlegend revolutioniert worden ist.

Metropolen fordern Versorgung

Deutschland gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Aus einem reinen Agrarland hatte sich im Verlauf weniger Jahrzehnte eine Industrienation entwickelt. Landflucht auf der einen Seite und die industrielle Revolution auf der anderen Seite führten zur Bildung von Großstädten und industriellen Metropolen. Nach Millionen zählten die Menschen in den neu entstandenen Ballungsgebieten. Und sie mussten mit allen Gütern des täglichen Bedarfs versorgt werden. Hinzu kam, dass sich im ausgehenden 19. Jahrhundert auch die Verzehrgewohnheiten zu ändern begannen.

So genannte Kolonialwaren, also Lebensmittel und Rohstoffe aus aller Herren Länder, erfreuten sich immer größerer Beliebtheit. Per Schiff trafen sie in großen Massen in den europäischen Häfen ein. Aber ihr Transport zu den Millionen Endverbrauchern gestaltete sich noch äußerst schwierig. Es gab eigentlich nur eine Möglichkeit des Weitertransportes: Die Waren wurden per Eisenbahn ins Land geschafft und von größeren Bahnhöfen aus mühselig per Pferdefuhrwerk in die Städte und Dörfer transportiert.

Pferdestärke statt Pferdefuhrwerk

In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts begann die Geschichte des Lastkraftwagens. Zunächst in Frankreich und dann in Deutschland wurden erste Typen erdacht. In Deutschland wurde der erste Lastkraftwagen mit Verbrennungsmotor als eine Art Kutsche ohne Deichsel von Wilhelm Maybach konstruiert und bei Gottlieb Daimler gebaut. Mit 1,5 Tonnen Nutzlast und 4 PS brachte es das Fahrzeug bis auf eine Spitzengeschwindigkeit von maximal 12 km/h. Heute würde ein solches Fahrzeug eher als Kleintransporter durchgehen, aber für die Zeit war es eine Revolution.

Für die Massenproduktion war ein solches Fahrzeug zwar nicht geeignet, aber rasch brach sich der technische Fortschritt Bahn. Carl Benz, der „Vater des Automobils“, stellte im Jahr 1900 den ersten eigenen Lastwagen vor. Und nur drei Jahre später (1903) gründete Heinrich Büssing in Braunschweig seine „Specialfabrik für Motorlastwagen“. Noch im gleichen Jahr brachte er die ersten Lastkraftwagen seiner mithin berühmt gewordenen Marke heraus.

Weltkrieg fördert Nutzfahrzeugbau

In den folgenden „goldenen Jahren“ des Kaiserreichs konzentrierten sich zahlreiche Pioniere der Kraftfahrtindustrie auf die Weiterentwicklung des Lastkraftwagens. Aber eine entscheidende Triebfeder für die Serienproduktion der Lkw wurde der Erste Weltkrieg (1914-1918). Motorisierte Nutzfahrzeuge spielten in den strategischen Plänen der Heeresleitungen an allen Fronten eine entscheidende Rolle. Gebaut wurden hauptsächlich die sogenannten „Regel-3-Tonner“ mit einer Nutzlast von drei Tonnen und einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Büssing in Braunschweig etwa fokussierte sich während des Ersten Weltkrieges vollständig auf diesen Fahrzeugtyp. Gegen Kriegsende jedenfalls standen allein der Deutschen Heeresleitung rund 25.000 Lastkraftwagen zur Verfügung.

Durch die Niederlage und die anschließende Inflation bedingt, brach der deutsche Lkw-Markt nach 1918 weitgehend ein. Es fehlte an allem: an Eisen, Benzin und Gummibereifung. Zigtausende in Produktion befindliche Fahrzeuge konnten nicht fertiggestellt werden. Und Tausende Lkw gingen als Reparationen an die Siegermächte.

Es sollte noch einige Jahre dauern, bis sich der deutsche Nutzfahrzeugmarkt davon erholen konnte. Technische Innovationen trugen ihren Teil dazu bei: Büssing ließ sich im Jahre 1922 einen Sattelschlepper mit aufliegendem Anhänger (Auflieger) patentieren. Und auf der IAA 1924 in Frankfurt wurden die ersten drei mit Diesel betriebenen Lkw vorgestellt. Im Jahre 1925 wurde die Luftbereifung beim Dreiachs-Lkw bis zu 15 Tonnen Gesamtgewicht zugelassen – Büssing entwickelte daraufhin zusammen mit Continental seine Dreiachs-Lkw mit Riesenluftbereifung.

Steigender Güterverkehr

Der Aufschwung im Lkw-Geschäft hielt allerdings nur wenige Jahre, dann brach der Markt im Zuge der Weltwirtschaftskrise gegen Ende der 1920er Jahre weitgehend ein. Doch in den folgenden Jahren, nicht zuletzt bedingt durch die erneute Militarisierung Deutschlands und durch den Ausbau des Straßennetzes, erlebte der Nutzfahrzeugbau eine neue Blütezeit. Die großen Lkw hatten nun bis zu 150 PS, die auf den neuen Straßen auch gut ausgelastet werden konnten. Weite Teile des Güterverkehrs wurden mittlerweile per Lkw abgewickelt.

Und in dieser Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs gründeten die Gebrüder Nagel ihr Speditionsunternehmen. Doch nur vier Jahre später, im Jahr 1939, begann Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Kurt und Rudolf Nagel wurden mitsamt ihrer Fahrzeuge zum Kriegsdienst einberufen. Damit war das vorläufige Ende der noch jungen Spedition gekommen.

Nagel-Group Fahrzeuge von 1950er bis 2010er

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