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Interview Rainer Bernickel

„Nur ein gesunder Fahrer fährt sicher“

Der Verein DocStop für Europäer e.V. wurde 2007 zur besseren medizinischen Unterwegsversorung für Bus- und Berufskraftfahrer auf den transeuropäischen Verkehrswegen gegründet. Im Interview berichtet Rainer Bernickel, Initiator von DocStop und Träger des Bundesverdienstkreuzes, wie Berufskraftfahrer medizinische Versorgung erhalten können.

Rainer Bernickel, Initiator von DocStop

Was steckt hinter der Idee von DocStop?

Wir haben das Projekt gegründet, um zu verhindern, dass durch das Fahren mit gesundheitlichen Problemen oder Eigenmedikation, schwere Verkehrsunfälle geschehen. Eine bundesweite Befragung der Zielgruppe im Vorfeld hatte ergeben, dass über 85 Prozent der Fahrer über eine mangelhafte medizinische Versorgung am Arbeitsplatz klagten. Die Arbeitsplatzbedingungen sollten ebenfalls verbessert werden.

Wie sieht das DocStop-Netzwerk momentan aus?

Die Zahl der unterstützenden Mediziner ist im Vergleich zu 2012 um 100 Prozent gestiegen. Das Netzwerk weist 700 Mediziner, Kliniken und Krankenhäuser als Partner aus – Tendenz steigend. Außerdem haben wir europaweite Partner aus der Industrie sowie Organisationen und Institutionen, die der Verkehrssicherheit nahe stehen. Alle an der Initiative DocStop beteiligten Mediziner haben sich bereit erklärt, Fahrer, die als Patienten in ihre Praxen kommen, zeitnah ohne längere Wartezeiten zu behandeln.

Was sind die häufigsten Gründe für einen Arztbesuch?

Zahnschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen, Schlafprobleme, kleinere Verletzungen oder Erkältungen. Es nehmen bundesweit monatlich 400 Zielgruppenteilnehmer die von DocStop angebotene medizinische Unterwegsversorgung in Anspruch.

Wie muss der Berufskraftfahrer reagieren, wenn er sich unterwegs medizinisch versorgen lassen möchte?

Als erstes natürlich die zentrale Nummer 01805-112 024 anrufen und sich danach lotsen lassen. Alle Anrufe bei der ADAC Truck Service Hotline werden in der Servicezentrale angenommen und die Mitarbeiter können dort zum jeweiligen Standort des Anrufers sofort den nächstgelegenen DocStop Mediziner und dessen Rufnummer sowie einen Stellplatz für den Lkw benennen. Die ADAC Truck Service Zentrale ist an 365 Tagen und 24 Stunden am Tag erreichbar.

Wie funktioniert die Abrechnung?

DocStop ist für alle Nutzer kostenfrei. Es bedarf keiner Mitgliedschaft im Verein und keiner Beiträge. DocStop setzt all seine Kraft und Bemühungen dazu ein, der Berufsgruppe der Kraftfahrer gemeinsam mit vielen kompetenten Partnern, eine möglichst gezielte und leicht umzusetzende medizinische Versorgung entlang ihrer Fahrstrecken anzubieten. Die Arztkosten werden mit der Krankenkarte bezahlt, über einen Auslandskrankenschein abgerechnet, oder in bar bezahlt und in den Ländern mit den Kostenträgern abgerechnet.

Wie weit sind Partner-Praxen und -Krankenhäuser von den DocStop Standorten entfernt?

Jede erfasste ärztliche Praxis oder jedes Krankenhaus ist von dem jeweiligen DocStop Standort, der sich auf Autohöfen oder an Autobahnabfahrten befindet, meistens in einer maximalen Entfernung von vier Kilometern erreichbar. Das bedeutet für die Berufskraftfahrer kurze Wege, schnelle Verbindungen, geringsten Zeitverlust zur Dispositionsplanung, optimale Hilfeleistung, mehr persönliche Sicherheit, Gesundheitsförderung und ein humanerer Arbeitsplatz.

Ersetzt DocStop damit den Notruf für Berufskraftfahrer?

In medizinischen Notfällen ist immer die Rufnummer 112 zu wählen. Ein DocStop Kontakt ersetzt keinen erforderlichen Arztbesuch und dient nur einer schnellen und zielgerichteten Wiederherstellung der Gesundheit der Fahrer auf ihren Fahrten im Nah- und Fernverkehr. Unser Ansinnen ist es, die medizinische Versorgung im akuten Einzelfall unterwegs sicher zu stellen. Dadurch vermeiden wir auch Eigenmedikationen und einen möglichen Verstoß gegen Rechtsnormen. Nur ein gesunder Fahrer fährt sicher und gefährdet weder sich noch andere Verkehrsteilnehmer. So werden schwere Verkehrsunfälle, bedingt durch gesundheitliche Probleme, vermieden und alle Verkehrsteilnehmer und die Fahrer vor Schäden geschützt.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Wir planen nicht nur unser medizinisches Netzwerk europaweit auszubauen, sondern wollen auch unseren Bekanntheitsgrad erhöhen. Außerdem wünschen wir uns weitere Kooperationen mit neuen Partnern und Unterstützern und dadurch eine kontinuierliche Verbesserung der Standards. Der Berufskraftfahrer ist ein wichtiger Garant unserer mobilen und vernetzten Gesellschaft. Mit DocStop werden wir auch in Zukunft dazu beitragen, dieser Berufsgruppe den Alltag etwas leichter zu machen und somit ihre Leistungsfähigkeit besser zu sichern.

Über DocStop

Der Verein wurde 2013 seine Arbeit mit dem Deutschen Arbeitsschutzpreis und später mit dem LEO-Award in der Kategorie „Mensch des Jahres 2014“ in der Transportbranche ausgezeichnet. Seit 2015 ist die Nagel-Group offizieller TOP Partner von DocStop. Mehr zum Verein: www.docstoponline.eu.

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