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Sicherheit in der Transportkette

Das System „Trusted Carrier” schafft mehr Vertrauen

Der deutsche Bundesverband für Güterverkehr und Logistik (BGL) hat das System „Trusted Carrier“ entwickelt. Es gewährleistet mehr Transparenz in der Transportkette.

Dem kriminell organisierten Ladungsdiebstahl etwas entgegen zu setzen, war das wichtigste Ziel, das sich eine Arbeitsgruppe aus Verladern, Spediteuren und Transporteuren in Regie des BGL und der Transfrigoroute vorgenommen hat. Durch die Marktentwicklungen und die zunehmende Nutzung von Internetkommunikation ist Beschaffung von Informationen über Ladungen „leicht absetzbaren und attraktiven Produkten“ auch für Kriminelle einfacher geworden. Über die Modalitäten und die bevorzugten Produkte der Diebe gibt es inzwischen viele Pressemeldungen.

Mehr Sicherheit in der Transportkette

Aber bei aller Sorgfalt, die die Logistiker bereits seit Jahren an den Tag legen, gibt es immer wieder auch „Weiterentwicklungen“ auf der Gegenseite. So ist zum Beispiel eine Identität eines Transportunternehmers schnell gefälscht oder erfunden. Auf diese Weise lassen sich auf schnellem Wege teure Ladungen stehlen. Ein Problem, das nicht nur bei den Logistikunternehmen auf Missfallen stößt, sondern auch bei den Verladern für großen Ärger sorgt – Supply Chains werden unterbrochen, Markenwerte beschädigt. Künftig will der BGL genau hier für Abhilfe sorgen und übernimmt für im System registrierte Unternehmen ein Garantieversprechen. Das neue System „Trusted Carrier" soll fortan für mehr Sicherheit in der Transportkette sorgen. Das Risiko von Ladungsverlusten soll auf diese Weise um ein Vielfaches minimiert werden. Seit dem 1. Juli 2016 läuft der Testbetrieb mit ausgewählten Verladern. Der Start des Systems erfolgt am 1. Mai 2017.

Den größten Baustein der Initiative „Trusted Carrier“ stellt dabei eine Online-Datenbank dar. Eingetragener Teilnehmer der Datenbank kann nur werden, wer sich beim BGL oder einem seiner Mitgliedsverbände registriert. Eine Mitgliedschaft im Verband ist dazu nicht erforderlich. Transportunternehmen, die sich als „Trusted Carrier“ registrieren lassen, müssen eine Verpflichtungserklärung mit überprüfbaren Kriterien unterzeichnen sowie einen eigenen Fuhrpark betreiben. Daher ist die Registrierung des Fuhrparks vonnöten. Reine Sofa-Spediteure können sich nicht als „Trusted Carrier“ registrieren lassen. Gegenüber der verladenden Wirtschaft übernimmt der BGL für teilnehmende Unternehmen künftig ein Garantieversprechen. Die Nagel-Group ist als „Trusted Carrier” registriert. Der Leiter Corporate Process Design and Systems, Thomas Pütter, setzt sich seitens der Nagel-Group für die Initiative ein.

Doch wie genau funktioniert das System?

Nach der Registrierung in der Datenbank kann jeder Teilnehmer kostenlos auf diese zugreifen. Wurde ein Auftrag unter „Trusted Carrier“ vereinbart, so kann an der Ladestelle das Kennzeichen in der Datenbank überprüft werden. Gehört dieses Kennzeichen einem „Trusted Carrier“, so zeigt die Datenbank ein „grünes Signal“, andernfalls ein rotes. In der Datenbank kann sowohl eine Positiv-Abfrage des Kennzeichens, als auch des Unternehmers vorgenommen werden. Die Reklamation resp. Meldung über weitere Qualitätskriterien an den BGL kann unmittelbar dann über diese Datenbank vorgenommen werden.

Verstöße der registrierten Unternehmer gegen die Regeln des Systems werden in einem Güteausschuss diskutiert. Den Transportunternehmern, die sich nicht an das Regelwerk halten, droht der Ausschluss aus dem System. Briefkastenfirmen oder auch eine mehrfache Weitergabe von Transportaufträgen an „unbekannte“ Unternehmer sollen es auf diese Weise schwerer haben beziehungsweise vollkommen verhindert werden. Auch die Leistungsdifferenzierung auf dem Markt ist dadurch möglich und stärkt die Position der teilnehmenden Transportunternehmen oder Kraftwagenspeditionen. Das ehemalige geschäftsführende Präsidialmitglied des BGL, Prof. Dr. Karlheinz Schmidt sagt: „Wer mit der zusätzlichen Sicherheit eines ‚Trusted Carrier‘ punkten kann, der liefert seinen alten, wie neuen Kunden das vielleicht entscheidende Argument für den Zuschlag.“

Verbände aus West- und Osteuropa wollen sich anschließen

Auch wenn der Ursprungsgedanke des Systems das „Entgegenwirken dem Ladungsdiebstahl“ war, so konnten inzwischen weitere Aspekte wie Mindestlohn, Sozialvorgaben, Arbeitssicherheit und weitere Dokumentationspflichten, die auch der Verlader einfordern und verwalten muss, in dieses System integriert werden. Auch international wird „Trusted Carrier“ immer bekannter.

Die IRU (International Road Transport Union) hat inzwischen diese Initiative aufgenommen. Mehrere IRU Mitgliedsverbände aus West- und Osteuropa wollen sich der Initiative anschließen. Die Frachtenbörsen TimoCom und cargoclix.com haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, „Trusted Carrier“ für Auftraggeber in ihren Systemen erkennbar zu machen.

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