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Lagerlogistik
Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln

Qualität rückwärts

Bei der Distribution von Lebensmitteln zählt verlässliches Handeln. Im Falle eines Rückrufs der Ware müssen Mitarbeiter im Lager und in der Spedition schnell und präzise reagieren und strenge Standards und Richtlinien befolgen. Der Ernstfall erfordert augeklügelte IT Systeme und durchdachte Abläufe.

„Wie bei der täglichen Warendistribution legt die Nagel-Group auch bei einem Rückrufprozess höchsten Wert auf Qualität“, berichtet Hendrik Reinelt, Leiter Zentralabteilung Qualitätsmanagement bei der Nagel-Group. Der Kunde erwartet auch im Fall eines Warenrückrufes Verantwortungsbewusstsein. Konkrete Maßnahmen müssen sofort getroffen werden, um größere Verluste zu vermeiden.

Lebensmittelrückrufe: Mehr als 80 Warnungen seit 2012

Meldungen oder Berichte über die Rückrufaktionen verschiedenster Unternehmen sind keine Seltenheit: Fremdkörper in den Produkten wie Glassplitter oder Plastikteilchen, Verunreinigungen durch Bakterien wie Salmonellen oder E-Coli-Bakterien oder verdorbene Waren, geschuldet durch ein falsches Mindesthaltbarkeitsdatum, zwingen Unternehmen und Logistiker immer wieder zu schnellem Handeln.

Logistik Rückverfolgbarkeit
Sämtliche mittelbar oder unmittelbar beteiligte Stellen wie das Lager oder die Spedition sind am Prozess des Auslieferungsstopps beteiligt.

Im Portal für Lebensmittelwarnung verkündet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit für den Zeitraum der vergangenen vier Jahre mehr als 80 aktuelle Warnungen. Seit 1979 verbreitet die Europäische Union über das System RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed) Informationen über die Lebensmittelsicherheit. Im vergangenen Jahr verschickte sie insgesamt 775 Warnmeldungen, die mit einer schnellen Handlung wie einen Rückruf einhergingen.

Klare Zuständigkeiten regeln Rückrufaktion

Um ihre Kunden zu schützen, müssen Unternehmen mangelhafte oder gefährliche Produkte so schnell es geht zurückrufen. Bei einem Auslieferungsstopp müssen die gesetzlichen Bestimmungen und die internen Verfahren eingehalten werden, um einen drohenden Schaden abzuwehren oder diesen zu minimieren. Die Grundlage aller Arbeitsanweisungen bildet die Verordnung 178/2002. Sie erstreckt sich über alle Vertriebsstufen von Lebensmitteln.

Sämtliche mittelbar oder unmittelbar beteiligte Stellen wie das Lager oder die Spedition sind am Prozess des Auslieferungsstopps beteiligt. Die Arbeitsanweisung besagt, dass alle Wareneingänge und -ausgänge sowie die entsprechenden Lieferanten und gewerblichen Abnehmer nachvollziehbar sein müssen. Das ermöglicht, im Ernstfall umfassende Handlungen einzuleiten. Grundsätzlich hat der Auftraggeber alle Anweisungen in schriftlicher Form zu erteilen. Auch die einzelnen Schritte der Rückrufaktion sind zu dokumentieren und auf Anforderung darzulegen.

Maßnahmen beim Warenrückruf: Der Ablauf im Lager

„Bei einem Rückruf ist der Ablauf im Lager klar geregelt. Zunächst informiert uns der Kunde über das Problem, nennt die Einlagerungsdaten und gibt erforderliche Maßnahmen bekannt. Daraufhin sperren oder blockieren wir die Ware, stoppen die Auslieferung oder kümmern uns um eine sofortige Rückholung. Die Schnelligkeit zählt“, erklärt Hendrik Reinelt. Für eine kundenindividuelle Bestandsrecherche sind im System alle kundenspezifischen Anforderungen enthalten.

Die Mitarbeiter im Lager stornieren die Auslagerung der Vollpaletten und die Konfektionierung, sie stoppen die Kommissionierung und lagern die betroffenen Artikel um. Im Anschluss kennzeichnen sie den gesamten verfügbaren Bestand im Lagerverwaltungssystem und auch physisch mit einem Sperrstatus – so werden weitere Auftragsdispositionen angehalten. Daraufhin erhält der Kunde eine Übersicht über den gesperrten Bestand.

Oberstes Gebot: Kontinuierliche Dokumentation des Ablaufs in allen Fällen

Einige Kunden wünschen, dass der gesperrte Bestand zurück zur Produktion gelangt. „Wir erstellen dann einen Transportauftrag für die Spedition, der eine schriftliche, stückzahlmäßige Übernahmebestätigung der Warenannahme enthält“, verdeutlicht Reinelt.

In anderen Fällen beauftragen die Kunden, den gesperrten Bestand zu vernichten. In diesem Fall muss eine Fachfirma mit der Vernichtung beauftragt werden – hierbei werden alle Schritte in einem Vernichtungsprotokoll dokumentiert.

Maßnahmen beim Warenrückruf: Der Ablauf in der Spedition

Der Prozess in der Spedition erfolgt ähnlich wie im Lager: Mitarbeiter sperren und kennzeichnen sowohl unverladene Sendungen in der Versand-Niederlassung als auch den Lieferschein. Außerdem informieren sie den Lagermeister und die Disposition über die Sperrung.

„Sind die Sendungen bereits unterwegs, nehmen wir telefonisch Kontakt mit dem Berufskraftfahrer auf und versuchen die Auslieferung abzubrechen“, betont Reinelt. Sofern der Versand nicht mehr abgebrochen werden kann, holt die Nagel-Group die Ware gemäß der Kundenweisung zurück.

Jährliche Schulung und Simulation von Worst Cases

Um alle Handlungen so schnell und präzise wie möglich umsetzen zu können, besuchen die Mitarbeiter der Nagel-Group mindestens einmal im Jahr eine Schulung, die die Inhalte der Verordnung 178/2002 behandelt. „Zusätzlich simulieren wir jährlich eine Rückrufaktion in einem Worst-Case-Szenario. Bei diesem Test prüfen wir die gesamte Prozesskette. Die jährlichen Schulungen und Simulationen helfen unseren Mitarbeitern, im Ernstfall schnell und im Interesse des Kunden handeln zu können“, erklärt Reinelt.

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