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Einfluss von Großbauprojekten auf die Logistik

Transportzeiten reduzieren

Europaweit wird fleißig gebaut, um die Infrastruktur zu verbessern – zu Wasser, auf Straßen und Schienen oder in der Luft. Im Interview erklärt Winfried Pudenz, Abteilungsleiter Straßeninfrastruktur und Straßenverkehr im NRW-Verkehrsministerium, was die Umsetzung von Großprojekten so schwierig macht - und was es zu beachten gilt.

Winfried Pudenz, Foto: MBWSV

Herr Pudenz, wo liegen die größten Herausforderungen bei Großbauprojekten?

Die größte Herausforderung für Ersatz- und Neubau ist, dass diese meist im Netz „unter Verkehr“ oder – wie die Bahn sagt – unter dem rollenden Rad stattfinden. Das macht den Infrastrukturbau in bau- und verkehrstechnischer Hinsicht außerordentlich vielschichtig.

Was muss bei der Planung beachtet werden?

Bei der Realisierung großer Infrastrukturprojekte sind umfangreiche europäische und nationale Gesetzgebungen zu beachten. Die Planung hat eine Komplexität erreicht, die gleichzeitig als Kostenfaktor und möglicherweise auch als Fehlerquelle zu Buche schlägt. Das Planen unter Berücksichtigung der vorhandenen Substanz macht die Bauausführung zusätzlich kompliziert. Der häufige Umbau der Verkehrsführung, die hohen und ständig gestiegenen Anforderungen an den Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie die Verkehrssicherheit haben ebenfalls zur Problematik beigetragen.

Wie groß ist die Bedeutung von Verkehrsinfrastrukturprojekten für die Logistik?

Die großen Straßenbauprojekte sind für die Logistikwirtschaft natürlich von besonderem Interesse, weil der Straßenverkehr die Hauptlast der Transporte abwickelt. Die Reaktionen aus der Logistikbranche auf die Sperrung der Leverkusener Rheinbrücke im Zuge der A1 für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen zeigen beispielsweise, wie bedeutend diese Brücke ist und wie wichtig der anstehende Ersatzneubau. Insbesondere die Brücken sind wegen ihres Alters und der beim Bau seinerzeit nicht absehbaren, enorm steigenden Verkehrsbelastung ein Schwachpunkt. Das betrifft Bahn und Straßen gleichermaßen.

Nehmen wir den Gotthard-Basistunnel in den Schweizer Alpen oder den Fehmarnbelt-Tunnel als Beispiel. Inwiefern profitiert die Logistik?

Die beiden Projekte bilden insbesondere für die transportierende Wirtschaft Lückenschlüsse im europäischen Netz, die dazu beitragen, Transportzeiten zu reduzieren. Sie leisten im Fall des Gotthard-Basistunnels zudem einen großen Beitrag zur Erhaltung des Naturraums der Alpen.

Sind in der Menge oder Art der Bauprojekte Unterschiede zwischen europäischen Ländern zu erkennen?

Die Beantwortung dieser Frage hängt stark vom Alter der jeweiligen Infrastrukturen ab. Länder mit langer industrieller Vergangenheit verfügen über dementsprechend alte Infrastrukturen, deren Ausbau und Sanierung aufwendiger sind als Planung und Bau auf der „grünen Wiese“ im Neubau.

Warum werden Großprojekte meist teurer oder dauern in der Bauphase länger als geplant?

Allein die Größe und die Tatsache, dass Meeresarme und ganze Gebirgszüge untertunnelt werden, machen deutlich, dass Unvorhersehbares die Realisierung beeinflussen kann. Wir setzen Bauwerke in die Natur und müssen uns auf die Gegebenheiten einstellen, nicht die Gegebenheiten auf uns.

Headerbild: © djama - Fotolia.com

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