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Mahlzeiten im Wandel

Wie sich das Essverhalten verändert hat

Der gemeinsame Genuss des Essens ist in schnelllebigen Zeiten eine gesellschaftliche Bereicherung. Genauso wie die Nagel-Group die Welt der Lebensmittel verbindet, verbindet das gemeinsame Essen Menschen. Doch hier zeichnen sich deutliche Veränderungen ab.

Viele Studien zeigen, dass gemeinsames Essen die Beziehung untereinander stärkt und sich positiv auf deren Entwicklung auswirkt. Der soziale Aspekt nimmt demzufolge in Familien traditionell eine wichtige Rolle ein. Heute wird allerdings immer seltener zusammen gegessen. Dies hat durchaus Auswirkungen, weiß Prof. Dr. Jana Rückert-John, Ernährungssoziologin und Professorin für die Soziologie des Essens an der Hochschule Fulda: „Ernährungssozialisation und -erziehung sind zentrale Funktionen der Familie. Diese konzentriert sich heute aber im Zuge gesellschaftlicher Entwicklungen auf ihre Kernfunktion und lagert viele erzieherische Maßnahmen aus. Das erkennen wir an Beispielen wie dem Mittagessen im Rahmen von Ganztagsschulen, in Kindergärten, aber auch wenn Schulen heute das Schwimmen und Radfahren vermitteln müssen.“

Hektik und Ablenkung erschweren gemeinsame Mahlzeiten

Die Dichte und Hektik des Alltags verhindert, dass sich heute vielen Familien einander am Esstisch begegnen. Laut Expertenmeinungen hat man sich vor 20 Jahren durchschnittlich 30 Minuten Zeit für das gemeinsame Essen genommen. Heute sind es nur noch knapp 15 Minuten. Die Gründe dafür sieht Rückert-John in der Berufswelt: „Vor allem die Erwerbstätigkeit von Frauen und sich ändernde zeitliche Muster sind in der Hinsicht zentral. Je nach Schulalltag, nach Tagesrhythmus, nach Arbeitszeit wird ganz unterschiedlich gegessen.“ Nicht selten lenken wir uns zusätzlich ab: Wir schenken der Arbeit oder sozialen Medien oft unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Das Essen findet dann nur noch nebenbei statt. Falls wir uns überhaupt noch an den Tisch setzen.

Der Umsatz im To-go-Geschäft ist gestiegen. Foto: © zinkevych | Adobe Stock

Lebensmittel für unterwegs

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Trend, Mahlzeiten für unterwegs mitzunehmen, beträchtlich weiterentwickelt. Die Verbraucherstudie „Consumers Choice 2015“ zeigt, dass alleine im vergangenen Jahrzehnt rund drei Milliarden Mahlzeiten aus den eigenen vier Wänden außer Haus verlagert wurden und nur noch 42 Prozent der Deutschen selbst kochen. Auch in anderen europäischen Ländern sind die Zahlen ähnlich: So geben 59 Prozent der Briten in der Studie „Eating out– Today and Tomorrow“ von Sacla UK an, in Zukunft regelmäßiger mir der Familie außerhalb essen zu wollen. Auch der Umsatz im To-go-Geschäft ist gestiegen, so die Studie „What’s in our food and on our mind“ der Nielsen Company.

Nach dem Vorbild des Coffee-to-go bekommt man mittlerweile in fast jedem Supermarkt Speisen und Getränke für unterwegs. Wird weniger gekocht, muss auch nicht mehr so viel eingekauft werden. Um den Umsatz dennoch zu erhalten, sind die Händler auf neue Konzepte umgestiegen. Die To-go-Shops siedeln sich immer häufiger in Innenstädten und Bahnhöfen an und die Produktpalette um Sandwiches, Salat oder geschnittenes Obst erweitert sich stetig. Sie bedienen den schnellen Bedarf ihrer Kunden und treten dabei mit ihren Produkten in direkte Konkurrenz zu Schnellimbissen und Bäckereien. Auf dem Sprung schrauben viele Menschen aus Zeitmangel ihre Anforderungen an Ausgewogenheit und Genuss zurück. Rückert-John: „Die momentane Angebotsstruktur nimmt großen Einfluss, wenn ich eh schon zeitlich permanent unter Druck stehe und alle Erfordernisse des Alltags unter einen Hut kriegen muss. Wir nehmen uns für das Essen gar nicht mehr explizit Zeit, üben uns stattdessen im Multi-Tasking.“

Was der Wandel für die Logistik bedeutet

Das veränderte Essverhalten hat auch Einfluss auf die Anforderungen an Lebensmittellogistiker wie die Nagel-Group. Dr. Christian Fikar, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Produktionswirtschaft und Logistik der Universität für Bodenkultur Wien, sieht neue Herausforderungen auf die Logistik zukommen: „Höhere Kundenanforderungen an Frische erfordern schnellere und flexiblere Lieferketten, um Produkt- und Wertverluste zu verhindern und den Kunden frische, qualitativ hochwertige Ware anbieten zu können. Gerade direkte Heimlieferungen führen in städtischen Gebieten zu einer Vielzahl an Herausforderungen wie Zeitverluste und Planungsunsicherheiten durch Staus, mangelndes Parkplatzangebot oder Fahrverboten.“ Trotz einer erhöhten Prozesskomplexität läge für Lebensmittellogistiker darin eine große Wachstumschance. „In dieser Phase fehlt es Gründern häufig an logistischem Fachwissen, wodurch sich spannende und profitable Kooperationen ergeben können“, sagt der Experte.

Headerbild: © Prostock-studio | Adobe Stock

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