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Wie ein Start-up mit einer ungewöhnlichen Idee die Wurst revolutioniert hat

Grillido – die Wurst 2.0

Die Grillido-Gründer Michael Ziegler und Manuel Stöffler sind absolute Sport- und Grill-Fans und haben aus ihrer Leidenschaft ein Produkt entwickelt. Im Interview erzählt Michael Ziegler von den Anfängen ihrer Idee, den Zukunftsplänen sowie logistischen Herausforderungen.

Herr Ziegler, eine Wurst ohne Fett. Das klingt zunächst einmal abenteuerlich. Wie kamen Sie auf die Idee?

Bei einem gemeinsamen Grill-Abend fragten wir uns, warum es für ernährungsbewusste „Grillsportler“ eigentlich nur Putensteak gibt. Da wir gerne Bratwurst essen, hatten wir die Idee, eine neue Wurst zu kreieren: Eine, die trotz weniger Fett richtig gut schmeckt und die wir als Sportler bedenkenlos auf unseren Ernährungsplan schreiben können.

... und diese Idee haben Sie dann in die Tat umgesetzt.

Da wir beide aus Metzgerei-Familien kommen, konnten wir zügig in die Prototypen- Entwicklung gehen. In der Garage der Oma kombinierten wir hochwertiges Fleisch mit besonderen Zutaten wie Spinat, Feta oder getrockneten Tomaten zu ganz neuen Wurst-Kreationen. Auf Weihnachtsmärkten verkauften wir unsere Grillidos erstmals – und bekamen ein super Feedback. Die Weiterentwicklung haben wir mit Sterneköchen vorangetrieben. Denn wir wollten nicht nur Nährwerte aus der Sportnahrung erreichen, sondern auch richtig guten Geschmack. Das ist uns heute – nach fast zweijähriger Entwicklung – auch gelungen.

Wann reifte in Ihnen der Entschluss, sich mit Grillido selbstständig zu machen?

Nach den ersten Erfolgen auf dem Weihnachtsmarkt haben wir gemerkt, dass wir in dem Milliarden-Markt Wurst etwas bewegen können. Wir haben das Produkt zusammen mit verschiedenen Sterneköchen weiterentwickelt und Vertriebskanäle wie den Online-Versand oder den Verkauf an Fitnessstudios getestet, während wir noch Vollzeit in unseren „normalen Jobs“ in der Technologie-Branche gearbeitet haben. Als wir dann auf einer Handels-Messe den Preis für das „Innovativste Produkt des Jahres“ gewannen und damit das Interesse vieler Marktleiter weckten, widmeten wir uns mit Vollgas und in Vollzeit der Wurst-Revolution.

Welche Hürden galt es gerade in der Anfangsphase zu überwinden?

Am Anfang kennt dich niemand. Es ist schwer, Lieferanten zu finden – von der Produktion bis zur Logistik. Wir hatten noch nicht bewiesen, dass man mit der „Wurst 2.0“ richtig große Stückzahlen erzielen kann. Da wir beide nicht aus der Lebensmittelbranche kommen, haben wir anfangs zudem die Komplexität des Marktes unterschätzt – von den Verhandlungen mit dem Einkauf über die Frische-Logistik bis hin zum Vertrieb. Wir konnten jedoch alle Herausforderungen bewältigen und sehen uns jetzt gut gerüstet, um 2018 deutschlandweit in den Supermarktregalen präsent zu sein.

Michael Stöffler und Michael Ziegler Fotos: Grillido

Ihr Unternehmen existiert nun seit mehr als zwei Jahren. Wie beurteilen Sie die bisherige Entwicklung?

So richtig gibt es uns eigentlich erst seit einem Jahr. Im August 2016 haben wir die Grillido GmbH gegründet. Seitdem betreiben wir das Geschäft in Vollzeit und haben nach und nach ein Team aufgebaut. Unsere Aktivitäten davor erinnern eher ein wenig an „Jugend forscht“. Was sich allerdings seit August 2016 tut, ist schon bemerkenswert: Wir beliefern heute viele hundert Supermärkte und mehr als 300 Fitnessstudios, beschäftigen zwölf Vollzeit-Mitarbeiter, haben die Höhle der Löwen überlebt und gewannen kürzlich sogar den Deutschen Gründerpreis. Das macht mich sehr stolz. Es gilt zwar noch viele Herausforderungen zu bewältigen, aber ich glaube, dass wir mit unserem jungen Team auf dem besten Weg sind, eine starke Marke im Wurst- und Fleischbereich aufzubauen.

Inzwischen gibt es Ihre Grillwürste und Protein-Landjäger in mehr als 500 Filialen zu kaufen. Bis Jahresende sollen es 1.000 Filialen werden. Wie gestaltet sich dieser Wachstumskurs?

Um im Lebensmittel-Einzelhandel nach vorne zu kommen, braucht es echt Vertriebs- Power. Diese bauen wir nach und nach auf. Auch in Produktion und Logistik haben wir uns soweit professionalisiert, dass wir den nächsten Schritt gehen können.

Welche Produkte planen Sie künftig anzubieten?

Wir wollen unser Snack-Sortiment weiter ausbauen, um ganzjährig eine wichtige Rolle im Lebensmittel-Einzelhandel spielen zu können. Die Bratwurst ist der Top-Seller im Sommer, die Sportwurst hat von Oktober bis März Hochkonjunktur. Es sind weitere Fleisch-Snacks geplant, die nicht kühlpflichtig sind und sich deshalb auch sehr gut für den Online-Versand eignen. Diese wollen wir bald auch über die Grenzen Deutschlands hinaus verschicken. Bei gekühlten Produkten wird das eher schwierig.

Wie wichtig ist Ihnen die Rückverfolgbarkeit und Transparenz Ihrer verwendeten Zutaten?

Sehr wichtig. Für uns ist es selbstverständlich, anhand unserer IFS-zertifizierten Produzenten eine vollständige Rückverfolgbarkeit garantieren zu können. Wo es möglich ist, verwenden wir regionale Rohstoffe. Unser wichtigster Rohstoff Fleisch kommt ausschließlich aus Deutschland. Für Rinder und Schweine können wir die Herkunft noch besser eingrenzen: Je nach Produkt sind diese entweder GQB-zertifiziert (geprüfte Qualität Bayern) oder stammen direkt vom Hof beziehungsweise der Bauerngemeinschaft des Produzenten. Wer unsere Zutatenliste liest, sieht, dass bei uns nur beste Qualität in die Wurst kommt. Keine Zusatzstoffe. Keine Chemie. Kein zusätzliches Fett. Transparenz und Qualität sind Grundprinzipien unserer Philosophie.

Der Transport Ihrer Produkte ist für sie ein ebenso wichtiges Thema. Welche logistischen Herausforderungen hatte Ihr Start-up in der Anfangsphase zu bewältigen?

Ganz am Anfang haben wir die Grillidos mit dem Wurst-Taxi ausgefahren. Uns wurde natürlich schnell klar, dass das nicht skalierbar möglich ist. Danach haben wir mit einer Behinderteneinrichtung aus Stuttgart zusammengearbeitet. Als es dann um die Belieferung des Lebensmittel- Einzelhandels ging, hat uns ein Freund unter die Arme gegriffen, der mit seinem Unternehmen eigentlich die Logistik für verschiedene Automobilbauer abwickelt. Nachdem wir immer mehr Pakete und Paletten verschickt haben, folgte der Wechsel zu einem Profi – zur Nagel-Group.

Welche Dienstleistungen übernimmt die Nagel-Group für Sie?

Wir arbeiten nun seit Anfang März 2017 mit der Nagel-Group zusammen. Zu Beginn hat Nagel nur unser Lebensmittel-Einzelhandels-Geschäft abgebildet, da wir dort vor der ersten „richtigen“ Grillsaison den größten Bedarf hatten. Die Nagel-Group hat für uns also im ersten Schritt die komplette Beschaffungslogistik, Lagerung, Konfektionierung, Kommissionierung sowie Zustellung übernommen. Seit Anfang Juni übernimmt Kraftverkehr Nagel in Reichenbach zudem die komplette Abwicklung unserer Online-Shop-Bestellungen sowie den Paketversand an Geschäftskunden, zum Beispiel Fitnessstudios oder Gastronomie-Betriebe.

Was schätzen Sie besonders an der Nagel-Group als Partner?

Ein halbes Jahr nach der Entscheidung für die Nagel-Group sind wir uns sicher, einen zuverlässigen, standardisierten und starken Partner gefunden zu haben, der uns hinsichtlich der Professionalisierung des gesamten Operations-Bereichs weiterhelfen wird. Zum einen ist es für uns hilfreich, dass wir uns als Start-up an vorgegebenen Standards orientieren können, um dadurch Sicherheit ins Tagesgeschäft zu bringen. Zum anderen sind wir von der dennoch sehr hohen Flexibilität begeistert, mit der die Nagel-Group schon den einen oder anderen Auftrag außerhalb des Standards termingerecht abgewickelt hat.

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