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Laktoseintoleranz

Mehr Trend als Volksleiden?

Eine wachsende Zahl von Menschen klagt nach dem Verzehr von Milchprodukten über Magenbeschwerden, Übelkeit oder Kopfschmerzen. Häufig lautet der erste Verdacht Laktoseintoleranz. Zurecht? Ein Faktencheck.

Der Grund für Laktoseintoleranz liegt in der Natur des Menschen. Als einziges Säugetier trinkt der Mensch artfremde Milch und akzeptiert schon im Säuglingsalter Kuh- statt Muttermilch.

Hinzu kommt ein genetisch bedingter Prozess, eine Art Abwehrreaktion des Körpers: Um den in der Milch vorhandenen Milchzucker abzubauen wird das Enzym Laktase benötigt. Es spaltet den Zucker in seine Einzelteile, Glucose und Galaktose, die dann aufgenommen werden können. Jedoch nimmt die Laktaseproduktion aller Säugetiere meist vom dritten Lebensjahr an kontinuierlich ab. Die Jungtiere sind dann weit genug entwickelt, um feste Nahrung zu sich nehmen zu können.

Laktoseintoleranz ist keine Kuhmilchallergie

Bei einer Laktoseintoleranz gelangt der Milchzucker unverdaut vom Dünndarm in den Dickdarm, und die Darmbakterien versuchen ihn dort zu zersetzen. Das verursacht die typischen Magenprobleme wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall.

„Die Laktoseintoleranz wird oft mit einer Kuhmilchallergie verwechselt, aber sie involviert das Immunsystem nicht“, erklärt Sarah Coe. Sie ist Ernährungswissenschaftlerin der British Nutrition Foundation in London. Dem menschlichen Körper fällt es mit zunehmendem Alter immer schwerer, Milchprodukte zu verdauen. Der Mensch wird intolerant gegenüber Laktose.

Foto: © 3dsguru - Fotolia.com

70 Prozent aller Menschen weltweit sind laktoseintolerant

Betrachtet man die Zahl der laktoseintoleranten Menschen in Südamerika, Afrika und Asien, so trifft diese Annahme zu: In diesen Ländern wird traditionell kaum Milch getrunken. Die Menschen dort verzehren allenfalls gesäuerte Milchprodukte, die kaum Laktose enthalten.

Sarah Coe zufolge liegt die Zahl der intoleranten Personen in einigen Kulturen bei bis zu 100 Prozent. Diese Personengruppen sind weltweit am stärksten betroffen. Und so kommt es, dass auf der Erde etwa 70 Prozent der Gesamtbevölkerung laktoseintolerant sind.

Der Anteil in Europa ist deutlich geringer

„Die Europäer konsumieren schon seit vielen tausend Jahren Milchprodukte, was zu einem evolutionären Vorteil führte“, schildert Coe. Dank einer Genmutation können einige Völker nun auch im Erwachsenenalter noch ausreichend Laktase bilden und so den Milchzucker spalten.

Daher sind in Europa im Schnitt nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung nach der Kindheit laktoseintolerant. In Großbritannien liegt die Zahl der Personen, die Laktose in ihrer Ernährung vermeiden, bei etwa 12 Prozent.

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Laktosefreie Lebensmittel auf dem Vormarsch

Entgegen diesen Zahlen erwarten Experten, dass der Absatz von laktosefreien Produkten zwischen 2012 und 2016 um rund 75 Prozent steigen soll. Dies entspräche einem Wert von 529 Millionen Euro. Grund für den Anstieg seien steigende Selbstdiagnosen und verbesserte Technologien zur vereinfachten Herstellung dieser Produkte.

Dem Milchindustrie-Verband e.V. zufolge haben etwa 80 Prozent der deutschen Käufer von laktosefreien Produkten gar keine Intoleranz. Sie kaufen die Waren, da diese auf sie gesünder wirken als andere und folgen damit dem allgemeinen Gesundheits- und Bio-Trend.

Verzicht auf milchzuckerhaltige Waren

Wussten Sie, dass viele Tabletten mit einer laktosehaltigen Mischung überzogen sind? Oder dass Ihre Fertigpizza Laktose enthält? Das Leben mit der Intoleranz muss trotzdem nicht spröde sein. Am wichtigsten ist es die Zutatenliste zu studieren. Begegnen einem dann Wörter wie Molkepulver oder Vollmilchpulver, sollte man die Finger von dem Produkt lassen.

Beliebte Alternativen zur tierischen Milch sind Produkte aus Soja, Reis oder Mandeln. Diese weisen zwar einen etwas anderen Geschmack auf, werden aber mittlerweile beispielsweise in Cafés immer öfter als laktosefreie Variante angeboten.

Auch ein völliger Verzicht auf milchzuckerhaltige Waren ist möglich. Dies senkt jedoch die Bereitschaft des Körpers sich zumindest mit geringen Mengen des Zuckers selbstständig auseinanderzusetzen. Ob in Ihrem individuellen Fall ein Verzicht oder eine Einschränkung medizinisch notwendig ist, kann Ihnen am besten ein Facharzt beantworten.

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