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Bulk Shopping
Einkaufen mit Zukunft: Bulk Shopping

Ein Supermarkt ohne Verpackungen

Eine umweltschützende Lebensweise und bewusste Ernährung lassen viele Konsumenten umdenken. Für viele ist weniger mehr: Es geht darum, Verpackungsmüll zu vermeiden und die Herkunft der Lebensmittel zu kennen. Ist ein Supermarkt ohne Verpackungen die Zukunft?

Bulk Shopping
Plastikverpackungen? Fehlanzeige im Tante-Emma-Laden der Zukunft wie hier im Holis Market in Linz.

Der Verkaufsraum ist hell und freundlich eingerichtet. Es duftet nach frischen Erdbeeren. Langsam schlendert eine Kundin die Gänge entlang, rechts und links von ihr liegen frisches Obst und Gemüse direkt aus der Region, Öl und Essig in großen Flaschen sowie Getreide, Reis und Hülsenfrüchte in großen Glasgefäßen, sogenannten Bulk Bins. Sie füllt aus dem Gefäß einen halben Liter Olivenöl in eine von ihr mitgebrachte Flasche. Sie geht weiter zur Frischetheke, auch hier wird nur auf Wunsch abgepackt. Weichkäse, eingeschlagen in Papier. Plastikverpackungen? Fehlanzeige im Tante-Emma-Laden der Zukunft.

Ziel: Lebensmittelverschwendung reduzieren

Bulk Shopping nennt sich der Trend aus den USA, Lebensmittel und Verbrauchsgüter verpackungslos einzukaufen. Inzwischen setzen auch zunehmend Geschäfte in Europa auf das moderne Konzept. Nachhaltigkeit spielt für die Kunden eine große Rolle. „Unsere Kunden sind viele junge Menschen, viele alte Menschen, Vegetarier, Menschen, die sich bewusst ernähren möchten und die, die ökologisch denken. Generell ist es sehr gemischt“, sagt Franz Seher, Geschäftsführer des verpackungsfreien Holis Market im österreichischen Linz.

Seine Devise ist klar: Pre-cycling statt Re-cycling. Das bedeutet, den Verpackungsmüll zu verhindern, bevor er überhaupt anfällt. Sogar Waschmittel und Kosmetikprodukte lassen sich in wiederbefüllbaren Gefäßen kaufen. Durch die individuell angepassten Produktmengen soll zudem die Verschwendung von Lebensmitteln reduziert werden.

2014 lag die weltweite Produktion von Plastik bei etwa 311 Millionen Tonnen. Das ist ein Anstieg um mehr als 38 Prozent. 2004 waren es 225 Millionen Tonnen. In Europa ist der Zuwachs seit 2004 zwar gering geblieben. Dennoch entfällt von den 522 Kilogramm Abfall, die jeder Europäer jährlich produziert, ein großer Anteil auf Einwegverpackungen von Lebensmitteln. Die Betreiber der Bulk Shops möchten die Verbraucher dafür sensibilisieren.

Gut für die Bauern – gut für die Region

Viele der Produkte in Bulk Shops kommen aus der Region – meistens aus einem Umkreis von 100 Kilometern. Auf diese Weise unterstützen die Händler die sogenannte Zero-Waste-Bewegung und zugleich die heimische Landwirtschaft.

Da die Fleisch-, Milch- und anderen Frischwaren, die das Bio-Gütesigel tragen, zumeist teurer sind, können die kleinen Bulk Shops kaum mit den großen Supermarktketten mithalten. Außerdem ist die Produktvielfalt in Discountern und Supermärkten schlichtweg größer und günstiger. Allerdings setzen auch die Großunternehmen mittlerweile verstärkt auf Bio-Produkte. „Ich hoffe, die Leute sind fähig zu erkennen, wer diese Produkte aus reinen Geschäfts- und Imagegründen verkauft und wer mit leidenschaftlicher Überzeugung arbeitet und versucht im Namen einer solidarischen Ökonomie die Umwelt und Menschenrechte zu schützen“, so Alessandra Mazzotta, Besitzerin eines Bulk Shops in Italien.

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Durch die individuell angepassten Produktmengen soll die Verschwendung von Lebensmitteln reduziert werden. Fotos: Wolfgang Lehner – Hausrugger Photography

Neue Konzepte gegen die Konkurrenz

Bei anderen Produkten fallen die Preise niedriger aus als in einem herkömmlichen Supermarkt: „Wein oder Spülmittel können wir beispielsweise preiswerter anbieten, da wir die Kosten für die Verpackung, also die Flasche, sparen.“ Nüsse, Getreide und ähnliches können in großen Mengen eingekauft werden, was sich am Preis für den Kunden bemerkbar macht.

Um konkurrenzfähig zu bleiben, wollen deshalb viele der nachhaltig agierenden Einzelhändler zukünftig ihre Konzepte auch als Franchise-Modelle anbieten. Auf diese Weise erhoffen sie sich, einen breiteren Zugang zum Markt zu finden, um selbst zur Konkurrenz für andere zu werden.

Auch im Bulk Shop steht am Ende eines Einkaufs eine Kasse. Doch hier wartet nicht ein Förderband mit Scanner-Kasse, sondern eine Waage. Als die Kundin den Laden betreten hat, wurden ihre mitgebrachten Behälter bereits gewogen. Der Kassierer wiegt nun die gefüllten Behälter noch einmal und zieht das Eigengewichts ab. Die Kundin bezahlt nur für die individuelle Menge des Produktes nicht aber für die Verpackung. Das bringt viele Vorteile für die Kunden und die Natur. Ob so der Supermarkt der Zukunft aussehen wird oder es sich nur um einen Trend handelt, wird sich zeigen.

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