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Technikvergleich

Kombinierter Verkehr ist auf dem Vormarsch

Der kombinierte Straßen- und Schienenverkehr gewinnt in der Logistik zunehmend an Bedeutung. Zu den etablierten und langjährig am Markt tätigen Anbietern kommen neue technische Lösungen und Alternativen hinzu. Unterschieden wird beim kombinierten Verkehr zwischen dem Transport von kranbaren und nicht kranbaren Aufliegern. Die Nagel-Group nutzt beide Verladeabläufe.

Photo: Andre Zelck

Langsam rangiert die Terminalzugmaschine den schweren Auflieger auf die Transportplattform und positioniert den Trailer mittig auf dieser. Nachdem die Zugmaschine abgekoppelt ist, greift von oben ein vierarmiges Zangengeschirr nach der Plattform und dem darauf stehenden Trailer. Die Plattform und der Auflieger bilden jetzt eine gemeinsame Einheit, die Zentimeter für Zentimeter angehoben wird. Mehr als 30 Tonnen schweben in der Luft. Das Außergewöhnliche dabei: Aus einem eigentlich nicht kranbaren Auflieger, wurde innerhalb weniger Minuten ein kranbarer.

Behutsam positioniert der Kranführer die Transportplatte mit dem Trailer auf dem Taschenwagen des Güterzuges. Der Umschlag des Aufliegers und die Vorbereitung für den Schienenverkehr sind damit abgeschlossen. Nach dem Schienentransport wird der Verladeprozess am Zielort – dann natürlich in umgekehrter Reihenfolge – erneut durchlaufen und der Auflieger gelangt zurück auf die Straße. Das beschriebene System trägt den Namen NiKraSa.

NiKraSa schafft Einsparpotentiale

„In Zeiten, in denen es immer wichtiger wird, Teile des europäischen Straßennetzes zu entlasten, erfahren solche Bahntransportsysteme im kombinierten Verkehr immer größeren Zulauf, da sie die Umwelt schonen und für Unternehmen sehr wirtschaftlich sind.“, sagt Lukas Tworek, Analyst im Carrier Management der Nagel-Group.

Entscheiden sich Unternehmen für das System NiKraSa sparen diese zusätzliche Investitionen in ihren Fuhrpark, da sie keine speziellen Auflieger anschaffen müssen. Da der Auflieger jedoch zunächst auf der Transportplattform positioniert werden muss, um mit dieser gemeinsam verladen zu werden, entsteht pro Verladevorgang ein zusätzlicher Zeitbedarf von bis zu fünf Minuten zum herkömmlichen Kombiverkehr. Da die NiKraSa-Plattformen zurückgeführt werden müssen, ist nur der Transport von paarigen Verkehren möglich.

Flexibel und schnell agieren

Dies ist bei kranbaren Aufliegern anders. Diese lassen sich deutlich flexibler einsetzen, da die Verkehre nicht zwangsläufig paarig sein müssen. Zudem lässt sich der Verladevorgang schneller bewerkstelligen, da der Auflieger nicht zunächst per Rangierfahrzeug auf die NiKraSa-Plattform gezogen werden muss, um mit dieser zusammen verladen zu werden.

„Durch vier Anhebestellen am verstärkten Außenrahmen des Aufliegers ist dieser direkt kranbar und kann dann auf einem der verschiedenen Taschenwagen positioniert werden“, sagt Lukas Tworek. Die Anschaffung des Spezialaufliegers geht zwar mit gewissen Zusatzkosten einher – diese sind aber tendenziell sinkend.

Vorteile nutzen: Die Nagel-Group setzt auf beide Systeme

Um von den Vorteilen beider Systeme des kombinierten Verkehrs profitieren zu können, nutzt die Nagel-Group sowohl kranbare als auch nicht krankbare Auflieger. Bereits angeschaffte bahnverladbare Auflieger werden über die klassische Kranverladung für den Schienenverkehr vorbereitet und auch nicht kranbare Trailer können durch die NiKraSa-Methode mit dem Zug transportiert werden.

Auf der Schiene nutzt die Nagel-Group bereits Verbindungen zwischen Hamburg und Nürnberg sowie Hannover und Nürnberg. „Wir transportieren einen kranbaren Kühltrailer fünf Mal wöchentlich in beide Richtungen. Dadurch können wir je Rundlauf zehn nationale Transporte pro Woche auf der Straße einsparen“, sagt Lukas Tworek.

Von der Straße auf die Schiene

Mittlerweile sind zudem zehn Transportplattformen auf den Strecken Padborg-Verona und Herne-Verona in Betrieb. Seit Sommer 2014 nutzt die Nagel-Group vier bis fünf Mal pro Woche den Transport der TX-Logistik auf der Strecke Padborg-Verona in beide Richtungen. Auch auf der Strecke Herne-Verona wird das NiKraSa-System einmal pro Woche zum Transport angewendet.

Grundsätzlich ermöglicht der Verkehr auf Schienen ein hohes Maß an Pünktlichkeit. Auch das dramatische Ansteigen des allgemeinen Fahrermangels in der Logistikbranche spricht für eine Verlagerung des Transports von der Straße auf die Schiene. Doch nicht nur die Unternehmen in der Logistik profitieren vom wachsenden Schienentransport. Auch der Kunde, der eine höhere Planungssicherheit und Pünktlichkeit genießt, und die Umwelt, die durch die Entlastung des Straßennetzes geschont wird, sind Gewinner des kombinierten Verkehrs.

Die Nagel-Group prüft derzeit, welche heutigen zusätzlichen Verkehre von der Straße auf die Schiene verlagert werden können und will den Anteil am Verkehrsträger Bahn aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen stetig ausbauen.

Titelbild: Foto - Andre Zelck

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