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Büssing-NAG 650

In Rekordzeit restauriert

Rund um den 80. Geburtstag hat die Nagel-Group beschlossen, den Fuhrpark um ein ganz besonderes Fahrzeug zu ergänzen: einen Lastzug aus den Gründerjahren. Dies war der Auftakt zu einem einzigartigen Restaurierungsprojekt. Ein Ausflug in die Welt der Lkw-Schrauber!

Seinen Anfang nahm das ehrgeizige Unterfangen Anfang 2012, als Tobias Nagel, geschäftsführender Gesellschafter der Nagel-Group, die Idee vom Traditionslaster als greifbares Stück Firmenhistorie ins Rollen brachte. Der Wunsch nach einem Fahrzeug aus dem Gründerjahr 1935 war jedoch nicht zu realisieren. Mit dem Büssing-NAG 650 (Baujahr 1939) konnte das mobile alga-Nutzfahrzeugmuseum in Sittensen aber einen Lastwagen anbieten, der dem Original sehr ähnlich sah, den Kurt und Rudolf Nagel als eines der ersten Fahrzeuge nach Kriegsende neu gekauft hatten.

Nachdem das Restaurationsobjekt im Juni 2012 in Versmold eingetroffen war, trat Christian Teuber (46) auf den Plan. Der gelernte Karosserie- und Fahrzeugbaumeister arbeitet in der Fuhrparkverwaltung des Unternehmens und übernahm die Federführung am Büssing-Projekt. Er und sein Kollege Viktor Ens (37), ebenfalls Karosserie- und Fahrzeugbauer, starteten mit Vollgas in die Welt der Nutzfahrzeug-Oldtimer, mit der sie bis dahin nur wenig zu tun hatten.

Zeichnungen auf vergilbten Tapetenrollen

Fest stand von Anfang an, dass aus dem Büssing – getreu der Firmentradition – ein Thermoslastwagen werden sollte. Bei der Karosseriebaufirma Niehoff in Füchtorf holten sich die beiden Oldtimer-Novizen Schützenhilfe. Seniorchef Heinrich Niehoff hatte vor vielen Jahrzehnten das blechbeplankte Holzfahrerhaus eines Büssing als Meisterstück gebaut. Die 1:1-Zeichnungen dazu waren auf vergilbten Tapetenrollen noch immer vorhanden und dienten nun als unschätzbare Hilfe bei der Rekonstruktion der hölzernen Hütte.

Als nicht weniger wertvoll erwiesen sich auch die Originalzeichnungen der Haubenbleche aus dem Braunschweiger Büssing-Werksarchiv. Auf Basis dieser Zeichnungen baute Viktor Ens die Original-Beblechung der langen Büssing-Haube und die geprägte Stoßstange nach. Das stark unterrostete Chassis des mehr als sieben Jahrzehnte alten Lastwagens war in der Zwischenzeit aufgenietet, per Sandstrahl vom ‚Blätterteig’ befreit, neu vernietet und lackiert worden.

Historic trucks

Substanz hatte gelitten

Der 145 PS starke GD 6-Motor wurde in einer Versmolder Nutzfahrzeug-Werkstatt zu neuem Leben erweckt. Trotz langer Einsatzjahre in der DDR überraschte der Vorkammer-Diesel mit erstaunlich guter Substanz. Nach Zerlegung und Reinigung erhielt er neue Kolbenringe, eine überholte Einspritzpumpe samt Düsen sowie neue Wasserführungsrohre und Kühlerelemente.

Kurz vor dem Abschluss der Arbeiten am Büssing fiel der Startschuss für den Anhänger. Dessen Substanz hatte allerdings derart gelitten, dass neben Beblechung und Dach auch der komplette Rahmen neu aufgebaut werden musste.

Fahrzeug wie zur Wirtschaftswunderzeit

Auf ebenso aufwändige wie geniale Weise löste Viktor Ens eines der letzten noch verbliebenen Probleme: Aus zuvor eigens gefrästen Alu-Profilen bog er die ausstellbaren Frontscheibenrahmen des Büssing. Blieb noch die Lackierung des gesamten Zuges in elfenbein, lichtblau und kieselgrau, den langjährigen Firmenfarben der Nagel-Group.

Mit der Fertigstellung des Schmitz-Anhängers war die Restaurierung des Kühlzuges im September 2015 abgeschlossen. Das beeindruckende Ergebnis der generalstabsmäßig durchgezogenen Restaurierung: Ein Lastwagen der 1930er Jahre, der mit einem 1950 gebauten Kühlanhänger und einem rekonstruierten Schmitz-Kühlaufbau der Nachkriegszeit kombiniert wurde – ganz so, wie es bei zahllosen Spediteuren in den frühen Jahren des bundesdeutschen Wirtschaftswunders gang und gäbe war.

Büssing

Gekürzte Fassung

Der vollständige Artikel ist unter der Überschrift „In Rekordzeit restauriert“ in der Zeitschrift Historischer Kraftverkehr (Ausgabe Juni 2016) im Verlag Klaus Rabe erschienen.

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